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Karl Stefan von Österreich

Lebensweg

Herkunft | Ausbildung

Karl Stefan und Maria Theresia | Fotografie | © Littrow Archiv Wien

Kindheit | Jugend | Heirat

Karl Stefan, zweiter Sohn von Erzherzog Karl Ferdinand und Erzherzogin Elisabeth, wird am 5.9.1860 in Groß-Seelowitz geboren.

Bereits mit fünfzehn Jahren gelangt er nach Fiume zum Besuch der dortigen Marine-Akademie. Als vorzüglicher Kadett graduiert er 1879. Nach seiner Ausbildung erfolgt das für den Erzherzog übliche rasche Avancement.

Nach seiner Vermählung mit Erzherzogin Maria Theresia (Tochter des Erzherzogs Karl Salvator von Österreich-Toskana und der Erzherzogin Maria Immakulata, geb. Prinzessin von Bourbon-Sizilien) im Jahr 1886 wird das Paar sechs Kinder bekommen.

Triest – Der Palast des Österreichischen Llyod | Fotopostkarte | Um 1900 | © Littrow Archiv Wien

Marinetechnisches Komitee

Schon früh ergibt sich ein Kontakt zu Heinrich von Littrow, der wohl zu den Aus- und Vorbildern des Erzherzogs zählt. Im November 1870 wird Littrow durch Entschließung seiner Majestät Kaiser Franz Joseph I. der Titel des „königlichen See-Inspectors“ verliehen. Als Fachmann im Marinetechnischen Komitee setzt sich Karl Stefan wie Littrow für die Weiterentwicklung des neuen Whitehead-Torpedos (entwickelt durch Robert Whitehead) und die Ausrüstung der Marine mit demselben ein.

Heinrich von Littrow, selbst ein begeisterter Segler, ist wohl  des Öfteren befreundeter Gast auf den glamourösen Yachten des Erzherzogs. So schreibt dieser im Jänner 1889 an Heinrich im vertraulichen Stil: „Was gibts neues im Eiskasten Abbazia? Ist Aussicht daß jemand zum Gschnasball herkummt [sic]?“

Karriere | Erbschaft

Heinrich von Littrow | Zeichnung von Theodor Mayerhofer | Um 1866 | © Littrow Archiv Wien

Linienschiffs-, Kriegsschiffskapitän | Polnisches Gut

1891 wird Karl Stefan zum Linienschiffskapitän ernannt. Schließlich  befehligt er auch mehrere k.u.k. Kriegsschiffe.
1896 quittiert er den aktiven Dienst, denn als Erbe einträglicher polnischer Güter nach seinem Onkel Erzherzog Albrecht ist Karl Stefan zu beträchtlichem Vermögen gelangt. Die Verwaltung der Güter und die Renovierung des Schlosses in Saybusch (Zywiec) erfordern nun teilweise seine Anwesenheit in Polen. Auch in Wieden bei Wien erwirbt Karl Stefan ein repräsentatives Palais.

Leo von Littrow | Lussingrande | Um 1895|1997 | © Littrow Archiv Wien

Lussingrande | Seereisen

Das Erbe erlaubt Karl Stefan den Ausbau der Insel Lussingrande (Veli Losinj), wo er die Villa Podjavori errichten lässt, bald einer der glanzvollsten Treffpunkte der Adria. Die Villa des Erzherzogs vereint Prominenz vom spanischen Hof bis zum preußischen Hochadel. Auch Leo von Littrow führt das enge, vertraute Verhältnis ihres Vaters Heinrich in der Beziehung und als Gast des Erzherzogs fort.

Karl Stefan bleibt jedoch ein begeisterter Seefahrer. Mehrere Monate des Jahres verbringt er zum reinen Vergnügen zur See. Allerdings hat er für seine Touren stets die „allerhöchste Genehmigung“ (des Kaisers Franz Joseph I.) einzuholen.

Erzherzog Karl Stefan an Bord seiner Yacht Rovenska | Fotografie | © Littrow Archiv Wien

Kunstmäzen | Aufträge des Erzherzogs

„Erzherzog Carl Stephan war ein Hauptgönner Leo Littrow’s. Er liebte so wie sie unsere Adriaküste und nahm Leo später öfters mit – erst auf seiner Yacht Rowenska [sic] und dann auf der viel schöneren und grösseren Ul.“
So lautet die Erinnerung des Grafen Edgar von Hoyos, Sohn von George und Alice von Hoyos (geb. Whitehead) und nachmaliger Miteigentümer der Whitehead-Werft.

Im Sommer 1907 reist Littrow, an Bord der Dampfyacht Rovenska mit Prinzessin Marie Therese von Bayern, Ehefrau des Prinzen Ludwig von Bayern und spätere bayrische Königin. Auch die Prinzessinnen Hildegard, Wiltrud, Helmtrud und Gundelinde von Bayern sind mit an Bord. Graf Oskar von Cassini und der polnische Maler Kasimir Pochwalski, als Maler ein Späthistorist, komplettieren die Reisegruppe.

Meeresklippen | Um 1900 | © Nationalmuseum Warschau
Prinz Olgierd und Prinzessin Mechthildis von Czartoryski | Fotografie | 1912 | © Littrow Archiv Wien

Künstler und Königshäuser

1901 wird Karl Stefan zum Vize-Admiral, 1912 zum Admiral ernannt. Da der Erzherzog oftmals fern seiner Familie weilt, ist Leo von Littrow auch mit Erzherzogin Maria Theresia und ihrem Anhang unterwegs.
So begleitet Littrow im Frühjahr 1913 erneut einen Adria-Törn: Maria Theresia nimmt daran ebenso teil wie ihr Schwiegersohn Prinz Olgierd und Prinzessin Mechthildis Czartoryski, dritte Tochter der Erzherzogin. Dazu gesellen sich Prinz Hieronymus und Prinzessin Renata Radziwill, zweite Tochter des Erzherzogspaares. Im Palace-Hotel Bellevue in Parenzo trägt sich diese Reisegruppe in das Gästebuch ein.

Polen | Lebensabend

Das Erzherzogspaar Karl Stefan und Maria Theresia im Kreise der Familie | Fotografie © Littrow Archiv Wien

Erzherzogin Maria Theresia

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 erobern die Mittelmächte 1915 Russisch-Polen. Sowohl auf österreichischer als auch auf preußischer Seite handelt man Erzherzog Karl Stefan als Thronprätendenten. Dennoch wird über eine effektive Inthronisation keine Einigung erzielt.

In ihrer Ehe leidet offenbar auch Erzherzogin Maria Theresia zusehends unter der Einsamkeit. Immerhin dichtet Kaiserin Elisabeth, die für ihre kritische Haltung gegenüber ihrer Familie wohl bekannt ist, eine schonungslose Darstellung der Ehe des Erzherzogs. Folgende Verse in ihrem Poetischem Tagebuch sind vermutlich auf Maria Theresia und Karl Stefan gemünzt:

„Dieser sanften Taube | Hilft ertragen den Gemahl | Nur ihr felsenfester Glaube | An ein Jenseits nach der Qual.“

Lebensausklang in Saybusch

1918 ziehen sich der Erzherzog und seine Familie ganz nach Polen zurück. Seine Güter werden vorübergehend beschlagnahmt, doch er erhält diese später wieder zurück. Im Gegenzug spendet er 1924 zehntausend Hektar an Grund an die Krakauer Akademie der Wissenschaften.

Der zusehends kränkliche Gatte wird in aufopfernder Weise durch die Erzherzogin gepflegt. Ein Nervenleiden verdammt Karl Stefan während der letzten Jahre zu fast vollkommener Körperlähmung. Schließlich haucht der Erzherzog am 7.4.1933 in Saybusch sein Leben aus.

Segelboot vor der Küste | Um 1900 | © Nationalmuseum Warschau